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Kapitalerhöhung Vossloh AG

Am 24.5. hat der Vorstand des Verkehrstechnologie-Unternehmens Vossloh AG (DE0007667107, im SDAX) eine Kapitalerhöhung unter Gewährung eines Bezugsrechts an bestehende Aktionäre der Gesellschaft beschlossen. Aktienassistent erläutert, was genau passiert ist, und welche Auswirkungen es auf die Levermann-Analyse hat.

Die Vossloh AG hat sich mittels einer Kapitalerhöhung frisches Geld besorgt - und dazu neue Aktien herausgegeben. Die Gesellschaft begründete das so: "Mit dem erwarteten Emissionserlös von ca. 126,8 Mio. EUR verschafft sich die Gesellschaft zusätzliche finanzielle Stabilität und Flexibilität für das angestrebte profitable Wachstum".

Was auch immer die Gründe für eine Kapitalerhöhung sind - ob aus der Not geboren oder um Chancen nutzen zu können: Durch die Herausgabe weiterer Aktien verringert sich ohne Gegenmaßnahme der Anteil jedes Aktionärs am Unternehmen. Das Unternehmen ist zwar insgesamt mehr Wert (es kommt ja Geld herein), aber wenn die neuen Aktien unter dem aktuellen Kurs verkauft werden, dann erhalten neue Aktionäre ihren Anteil günstiger. Bei einer Kapitalerhöhung ist es deshalb in der Regel so, dass die bestehenden Aktionäre ein anteiliges Vorkaufsrecht auf die neuen Aktien haben - das Bezugsrecht. Im Beispiel der Vossloh AG war dies ein Bezugsrecht, dass jeder Aktionär für jeweils 5 Aktien, die er hat, eine neue Aktie erwerben kann. Und dieses Bezugsrecht selbst lässt sich verkaufen - an der Börse wird es, wie auch die Aktie selbst, innerhalb eines gewissen Zeitraums gehandelt.


Welche Konsequenzen hat die Kapitalerhöhung für Anleger?

Die erste Frage, die sich stellt: müssen die Anleger etwas tun? Die einfache Antwort: nein. Sie können etwas tun, nämlich das Bezugsrecht ausüben und entsprechend die neuen Aktien zukaufen. Wenn die Anleger nichts tun, dann verkauft die depotführende Bank das Bezugsrecht und schreibt den erzielten Betrag gut.


Welche Auswirkungen hat die Kapitalerhöhung auf die Levermann-Analyse?

Das Bezugsrecht ist etwas wert - wie eine Art Sachdividende, die sich zu Geld machen lässt. Deshalb ist es wichtig, die Dividende aus den Kursvergleichen mit Vergangenheitskursen heraus zu rechnen.

Etwas trickreicher ist die Frage nach den EPS-Zahlen. Die EPS-Zahlen und EPS-Schätzungen fließen ja an mehreren Stellen in das Levermann-System ein: beim aktuellen KGV, beim KGV über 5 Jahre, bei der Veränderung der EPS-Schätzungen, beim erwarteten Gewinnwachstum. Wir rechnen deshalb auch die EPS-Zahlen um. Im Beispiel: Statt je 5 Aktien gibt es durch die Kapitalerhöhung je 6 Aktien, also gibt es insgesamt ungefähr 20% mehr Aktien. Jetzt könnte man sagen: ok, dann rechnen wir alle EPS einfach um, in diesem Verhältnis 5:6. Andererseits ist aber auch neues Geld im Unternehmen, das für künftige Gewinnerzielung genutzt werden kann - die Gewinne pro Aktie ändern sich also möglicherweise gar nicht!

Erfreulicherweise gibt es eine gute Berechnungsmethode, die eine solide Umrechnung ermöglicht: den sogenannten R-Faktor. Dieser Faktor wird verwendet, um spekulative Papiere (wie Optionen) "umzurechnen". Der R-Faktor ergibt sich aus etwas komplizierten Berechnungen aus der Kapitalmaßnahme und bestimmten Kursen, vor und nach Entfaltung der Wirkung. Im Fall der Vossloh AG wurde der Faktor so errechnet, dass er wie ein Split 10000 : 10301 zum 31.5. wirkt. Der R-Faktor spiegelt die Markteinschätzung für die Veränderung gut wieder. Wir behandeln also die Kapitalmaßnahme sowohl bei den EPS-Zahlen, als auch bei den Kursen wie einen entsprechenden Split. Wenn Sie sich weitergehend zum R-Faktor informieren wollen - ist aber aus unserer Sicht nicht nötig! - hier der Link: PDF zum R-Faktor der Geschäftsbank HSBC.

Die Vossloh AG ist zwar in einem Punktbereich, der bei getreulicher Umsetzung der Empfehlungen von Susan Levermann dafür gesorgt hat, dass die Aktie aktuell nicht im Depot ist. Am Beispiel der Vossloh AG sieht man aber auch, dass die Nicht-Berücksichtigung der Änderungen durch eine Kapitalmaßnahme tatsächlich deutlichen Einfluss auf die Punktzahl hat: Ohne die Korrekturen würde die Aktie wegen einer zu schlecht bewerteten Kursentwicklung 2 Punkte in der Levermann-Analyse verlieren.

Genau wegen der Möglichkeit eines solchen Einflusses haben wir rechtzeitig einen Hinweis auf der Detailseite der Vossloh AG verlinkt, und wiesen damit auf die Kapitalmaßnahme hin mit der Bitte, die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Mit Wirkung von heute dürfen wir wieder von einer zuverlässigen Analyse ausgehen und heben den Hinweis hiermit auf.