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Deutsche Konsum REIT-AG

Letzte Woche gab es im Levermann-Umfeld (und auf wikifolio) einen kleinen Hype um die Aktie der Deutsche Konsum REIT-AG (DKG, DE000A14KRD3). Wir wurden deshalb mehrfach gefragt, warum wir die Aktie nicht analysieren. Unsere Antwort ...

Kurze Antwort:

Die verfügbare Datenqualität ist nicht ausreichend für eine Levermann-Analyse, bei der Konsistenz und Vergleichbarkeit der Aktien gewährleistet ist. So divergiert zum Beispiel das berichtete EPS für 2015 extrem: zwischen -77,30, -0,50 und 'keine Angabe'.

Zusatzbemerkung - und unsere Vermutung für den Auslöser des Hypes:

Die Aktie erhält einen um 2 Punkte zu hohen Score und dadurch erst ein Kaufsignal, wenn für das Gewinnwachstum boersengefluester.de verwendet wird. Mit der von Susan Levermann empfohlenen Vorgehensweise, der Verwendung des 'Analysten-Konsens', ist der Score 2 Punkte niedriger.

Lange Antwort:

Die verfügbare Datenqualität ist unserer Meinung nicht ausreichend für eine Levermann-Analyse, bei der Konsistenz und Vergleichbarkeit der Aktien gewährleistet ist. Bei der Anlage nach der Levermann-Strategie ist die Grundidee, Aktien zu finden, die im VERGLEICH besser sind als der Durchschnitt, die also in Kriterien mit erwiesenem Einfluss auf eine positive Entwicklung besser sind als der Durchschnitt, und sich deshalb, so die Hoffnung, besser entwickeln werden als der Markt. Für den Vergleich ist aber eine ganz grundsätzliche Anforderung die, dass Vergleichbarkeit gewährleistet wird.

Man könnte nun auf die Idee kommen, für die Analyse sehr kleiner Aktien, die auf wenig Analysteninteresse stoßen, ersatzweise Daten von boersengefluester.de zu nutzen. Warum tun wir das nicht?

1) Boersengefluester.de hat sich auf Hintergrundinformationen (auch) zu sehr kleinen deutsche börsennotierten Unternehmen spezialisiert. Gereon Kruse tut dies mit Hingabe, pflegt Kontakte zu den Vorständen und deckt so auch Unternehmen ab, die von den gängigen Analysten nicht 'gecovert' werden. Zu diesen Hintergrundinformationen gehört dann der Volllständigket halber auch dazu, dass er EPS-Schätzungen für das aktuelle Jahr und das nächste Jahr abgibt. Mit seinen Informationen - und mit dem Verkauf seiner Daten, und nicht etwa mit Werbung oder mit eigenen Broker-Diensten wie onvista und finanzen_net - verdient er seinen Lebensunterhalt. Es wäre also nicht fair, seine Daten ohne seine explizite Zustimmung auszulesen und weiterzuverbreiten

2) und das entscheidende Argument: Die Verwendung der Schätzungen von boersengefluster.de als direkte Quelle ist methodisch ein Problem. Bei der Levermann-Analyse sollten keine Daten von einem kleinen Portal ohne Reichweite gegenüber professionellen Investoren übernommen werden. Warum? Professionelle Investoren - und die bestimmen letztlich die Märkte - beziehen Ihre Daten aus großen professionellen Systemen - wie z.B. von Bloomberg, Thomson Reuters, Fact Set. Auch Banken und Aktienportale beziehen Ihre Daten von weltweit agierenden Datensammlern mit vielen Hundert Mitarbeitern. Die Schätzungen von Analysten werden dann von unterschiedlichen 'Datengroßhändlern' und Webseiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingearbeitet, und auch mit Unterschieden, wie lange die Schätzungen beispielsweise zurück liegen dürfen. Es sind aber jeweils im Prinzip die gleichen Quellen, die verwendet werden. So entsteht eine gewisser Markteinfluss durch diese Schätzungen.

3) Diesen Markteinfluss bilden wir bei der Levermann-Strategie ab, wenn wir als Nutzer von Aktienportalen und Bankseiten indirekt die gleichen Quellen wie die professionellen Investoren nutzen, weil die Aktienportale und Bankseiten letztlich die gleichen Quellen nutzen wie die professionellen Investoren.

Anders bei boersengefluester.de: Dort sind es hauseigene Schätzungen eines Einzelnen. Das heisst überhaupt nicht, dass die falsch sein müssen - sie sind vielleicht sogar besser. Aber es geht ja bei den Schätzungen auch viel um Psychologie und den Markteinfluss. Und da wirkt der "Konsensus" - selbst wenn da nur 2 Analysten von Banken/Wertpapierhäusern einfließen - anders auf den Markt als die Schätzung eines Einzelnen auf seiner (sehr kompetenten) Webseite.

Im Detail ist nun für die EPS-Schätzungen bei der Deutschen Konsum REIT-AG folgendes zu beobachten:

Die gängigen deutschen Seiten (Portale wie onvista/finanzen_net und die Seiten der Banken) haben entweder keine Angaben oder für 2018 eine niedrigere Schätzung als für 2017 - also tendenziell einen Minuspunkt im Gewinnwachstum gegenüber einem Pluspunkt, der sich bei der Verwendung der Daten von boersengefluester.de ergibt.

Ganz gut sieht man das auf der Reuters-Seite (DKG.DE) :

CONSENSUS ESTIMATES ANALYSIS

Earnings (per share)

------------------- --- # of Estimates Mean -- High -- Low

Year Ending Sep-17 --- 2 Analysten --- 1.30 -- 1.53 -- 1.07

Year Ending Sep-18 --- 2 Analysten --- 1.21 -- 1.43 -- 0.99

Ein Analyst (Berenberg) schätzt für das aktuelle Geschäftsjahr 1.54, für das nächste 1.43

Der zweite Analyst (haben wir aber keine Idee, wer das sein könnte, die Schätzung scheint auch schon ziemlich alt zu sein) für das aktuelle Jahr 1.07, für das darauf 0.99.

Weiter unten erkennt man auch dass die Berenberg-Schätzung im August dazukommen ist:

Earnings (per share)

------------------ --- Now -- 1 Week -- 1 Month -- 2 Month Ago

Year Ending Sep-17 --- 1.30 -- 1.30 -- 1.30 -- 1.07

Year Ending Sep-18 --- 1.21 -- 1.21 -- 1.21 -- 0.99

Schlussfolgerung:

Wir denken, dass der kleine Hype um die Deutsche Konsum REIT-AG letztlich aufgrund eines methodischen Fehlers in der Vorgehensweise einiger Levermann-Anhänger entstanden sein könnte, gepaart mit der abweichenden Einschätzung von Gereon Kruse im Vergleich zu den klassischen Analysten. Eine Abweichung, die zu einem methodisch fragwürdigen Pluspunkt im Gewinnwachstum führt statt zu einem Minuspunkt.

 

Richard Lehn