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KGV 5 Jahre für Levermann-Follower

Heute widmen wir uns einem Thema aus dem Blog / dem Buch 'Das Praxisbuch zur Levermann-Strategie' von Petra Wolff - der Berechnung der Levermann-Kennzahl 4: KGV 5 Jahre.

Eigentlich ist die Berechnung ganz einfach, und auch unmissverständlich bei Susan Levermann beschrieben, so dass man eigentlich gar nichts falsch machen kann: Man nehme (auf Seite 165 ist es vorgerechnet) die EPS-Werte der letzten 3 berichteten Jahre, sowie die aktuellen EPS-Schätzungen für das aktuelle Geschäftsjahr und das nächste Geschäftsjahr. (Das aktuelle Geschäftsjahr ist das Jahr, für das noch keine berichteten EPS-Zahlen vorliegen). Diese 5 Werte zähle man zusammen und teile das Ergebnis durch 5. So erhält man einen durchschnittlichen EPS-Wert. Dann teilt man den aktuellen Kurs durch diesen Durchschnittswert, und erhält ein KGV des Gewinndurchschnitts von fünf Jahren, oder kurz das 'KGV 5 Jahre'. Damit kann man einschätzen (Seite 62), ob der aktuelle Preis der Aktie teuer ist oder günstig.

Leider kommen an dieser Stelle mathematische Fehleinschätzungen und fehlerhaftes Denken ins Spiel, die manche Levermann-Follower auf die Idee bringen, dieses Kennzahl anders zu berechnen.

Idee 1: Man könnte doch die 5 KGV-Werte der einzelnen Jahre bilden, und darüber den Durchschnitt bilden.

Idee 2: Man könnte doch die historischen KGV-Werte verwenden - also die Werte bezogen auf den Schlusskurs des jeweiligen Jahres, und darüber den Durchschnitt bilden.

Warum sind beide Ideen Denkfehler, und - wie mein Urgroßvater gesagt hätte - grober Unfug?

 

Zur Idee 1 - Denkfehler 1 - Durchschnitt der KGV-Werte:

Das KGV 5 Jahre sagt ja folgendes aus: Wenn das Unternehmen in der Zukunft Gewinne macht, die dem durchschnittlichen Gewinn aus 5 Jahren entspricht (davon 3 berichtete Gewinne und 2 geschätzte Gewinne) - wie viele Jahre braucht es dann, bis die Gewinne den aktuellen Aktienpreis eingespielt haben? Der Durchschnitt über die KGVs der einzelnen Jahre lässt sich hingegen nicht als sinnvolle Zahl interpretieren. Manchmal wird es aber am Beispiel am klarsten. Wir erinnern uns mit Susan Levermann an Antonia's Backstube und Reto's Skischule.

Naturgemäß (im wörtlichen Sinne, dem Ski-Wetter) sind die Gewinne bei Reto stärker schwankend, im einem guten Jahr soll sein EPS bei 16 Franken liegen, im darauf folgenden Jahr bei 1 Franken. Antonia's Gewinne schwanken weniger stark - die Einheimischen essen immer, die fehlenden Ski-Touristen aber nicht. Im einen Jahr ist das EPS 12 Franken, im nächsten 5 Franken. Beide Aktien stehen aktuell auf 100 Franken. Das Jahr 2014 war bei beiden durchschnittlich mit 8,5 Franken.

 

EPS2014201520162017e2018e
Antonia8,5012,005,0012,005,00
Reto8,5016,001,0016,001,00

Beide haben im  Durchschnitt der fünf Jahre 8,50 Franken Gewinn pro Aktie, das ergibt ein gutes KGV im 5-Jahres-Durchschnitt von jeweils 11,76 und ist Susan Levermann jeweils einen Punkt wert.

Was passiert nun in der angeblichen Optimierung der Idee 1?

Der Durchschnitt über die KGVs ergibt für Antonia die Zahl 13,86, für die die 'Optimierer' dann 0 Punkte geben. Für Reto ergibt sich die Zahl 44,86, für die die 'Optimierer' dann einen Minuspunkt vergeben. Krass, oder?

Nochmal anschaulich, warum man so nicht rechnen kann, mit der in der Schweiz angeblich beliebten Zahlungswährung Bierchen:

Wenn ich abwechselnd ein Bierchen (0.5l) und einen Wodka (0.02l) trinke, wie viel kann ich trinken, bis mein Magen (2l, der ist groß ;-)) voll ist? Ist doch einleuchtend, dass der Wodka nicht viel ausmacht, es sind 4 Bier (ergibt 2l) und 4 Wodka (ergibt 0.08l), dann bin ich drüber - das 4. Bierchen passt also nicht mehr ganz rein, egal mit was ich anfange.

  • Nur Wodka: Wie viel kann ich trinken bis der Magen voll ist (und hoffentlich blitzschnell ausgepumpt wird): 100
  • Nur Bierchen: Wie viel kann ich trinken bis der Magen voll ist: 4
  • Kann ich also im Schnitt (4 + 100) / 2 Gläser leer machen, also 52 Gläser, bis ausgepumpt wird?

Himmel, NEIN! Ich habe keinen Magen, in den 26 Bierchen und 26 Wodka passen! Sagt der Wert 52 also irgendetwas aus? NATÜRLICH NICHT!

 

Zur Idee 2 -  Denkfehler 2 - Verwendung historischer KGV-Werte:

Wir rechnen das Beispiel Antonia und Reto mit einem Szenario sinkender Kurse: Der IPO der beiden Aktien im Sommer 2014 war super, mit je 200 Franken. Ende 2014 waren beide Aktien auf 175 Franken gesunken, Ende 2015 auf 150 Franken, Ende 2016 auf 125 Franken, aktuell stehen die beiden Aktien bei 100 Franken.

In diesem Szenario werden beide Aktien mit der Idee 2 mit einem Minuspunkt im KGV 5 Jahre bewertet, statt mit dem angemessenen Pluspunkt!

Wir erinnern uns, das KGV dient dazu, einzuschätzen, ob der AKTUELLE Preis der Aktie teuer oder günstig ist. Eigentlich sollte unmittelbar einleuchten, dass es für uns als Anleger uninteressant ist, ob man eine Aktie vor einem, zwei oder drei Jahren teuer oder günstig kaufen konnte. Dass also die Verwendung historischer KGV-Werte (von Denkfehler 1 ganz abgesehen) Unfug ist für die aktuelle Einschätzung einer Aktie. Und doch - laut persönlicher Kommunikation des Wikifolisten Leise gegenüber der Bloggerin Petra Wolff fließen in seine Berechnungen die historischen Werte. Vielleicht erklärt das ja, warum er die eine oder andere inzwischen überteuerte Aktie nicht verkauft?