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Levermann-Methode

Susan Levermann stellt mit ihrer Methode ein Modell einer quantitativen Aktienauswahlstrategie zur Verfügung.

Grundsätzlich geht die Levermann-Methode davon aus, dass der Wert von Unternehmen langfristig im Durchschnitt angemessen steigt. Mit einem Aktiendepot, in dem sich eine gut gestreute, repräsentative Auswahl von Aktien befindet, ist man bei dieser langfristigen Entwicklung mit dabei - selbst wenn es zwischendurch zu spürbaren Rückschlägen kommt.

Ziel der Levermann-Methode vor diesem Hintergrund ist, jeweils die "besseren" Aktien einer bestimmten Gruppe von Aktien im eigenen Depot zu haben. Dadurch besteht berechtigter Grund zur Annahme, langfristig besser abzuschneiden als die durchschnittliche Entwicklung.

Zum Vergleichen mit der durchschnittlichen Entwicklung ist es sinnvoll, einen bekannten Aktienkorb, wie z.B. den DAX heranzuziehen. Der DAX -  deutscher Aktienindex - ist ein Aktienbarometer der Deutschen Börse in Frankfurt, ein gewichteter Aktienkorb aus den größten 30 deutschen Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gehandelt werden.

Mit der Levermann-Methode werden die Aktien eines Aktienkorbs untereinander nach 13 Kriterien, ganz schematisch, verglichen - und dabei kommt eine Punktwertung zustande, die es erlaubt, die vielversprechenderen Unternehmen auszuwählen.

Diesen Vergleich der Unternehmen stellen wir Ihnen übersichtlich zusammen. So können Sie selbst sehen und analysieren, wie die Aktien in den wichtigsten deutschen Börsenbarometern (DAX, MDAX, SDAX und TecDAX) derzeit nach der Levermann-Methode bewertet sind. In der kostenpflichtigen Version basieren die Auswertungen auf den Schlusskursen des zuletzt abgeschlossenen Börsentags, kostenfrei können Sie die Methode kennenlernen und unser Angebot testen, indem Sie mit Börsendaten arbeiten, die (mit Registrierung) 2 Wochen oder (ohne Registrierung) 3 Monate alt sind. Als registrierter Nutzer können Sie auf aktienassistent.de auch eine Mail-Benachrichtigung zu von Ihnen ausgewählten Aktien einstellen, wenn sich die Bewertung nach der Levermann-Methode ändert.

 

 

Susan Levermann

Nach Banklehre und Diplom in Volkswirtschaftslehre ging Susan Levermann für 8 Jahre als Fondsmanagerin zu Deutschlands größter Fondsgesellschaft, der DWS.

Dort war sie zuletzt als Senior Fundmanager und Director tätig und verantwortete bis zu 1,7 Mrd. Euro Kundengelder in europäischen und deutschen Aktienfonds mithilfe einer selbstentwickelten quantitativen Auswahlstrategie. 

2008 wurde sie dann für den besten deutschen Aktienfonds über 1 und 3 Jahre ausgezeichnet. Ihr Buch "Der entspannte Weg zum Reichtum" bekam 2011 den Deutschen Finanzbuchpreis verliehen. 

Mittlerweile hat sich Susan Levermann aus der Finanzwelt zurückgezogen und arbeitet als „Head of Operations“ beim Carbon Disclosure Project (CDP), einer gemeinnützigen Umwelt-Organisation in Berlin. Sie leistet dort heute einen relevanten Beitrag für unsere Umwelt und damit für unsere Welt. Wir von aktienassistent.de wünschen ihr, dass sie das letztlich glücklicher macht, als sich tagein tagaus als Fondsmanagerin mit Geld zu beschäftigen.

Interview mit Susan Levermann

Ein Interview mit Susan Levermann über die Finanzwelt, die Entstehung der Levermann-Methode und den wahren Reichtum des Lebens. Erstveröffentlichung in der taz vom 10.04.2010

Vollständiger Text ohne Auslassungen: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2010/04/10/a0017

Die Fragen der TAZ stellten Ulrike Herrmann und Georg Löwisch

 

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Aber warum wollten Sie nach dem Studium ausgerechnet Fondsmanagerin werden?

Susan Levermann: In der Zeit vom Neuen Markt hatten Freunde von mir viel Geld an der Börse gemacht. Mein damaliger Freund und ich haben angefangen zu spekulieren - was zunächst super funktioniert hat. Dann kippte der Markt und 6.000 Mark waren weg. Das hat mich gefuchst. Ich wollte verstehen: Wie kann man an der Börse Gewinn machen? Also habe ich mich als Junior Fonds Manager bei der DWS beworben, die zur Deutschen Bank gehört.

 

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Später verwalteten Sie 1,7 Milliarden Euro. Was ist das für ein Gefühl? 

SL: Man fühlt sich superwichtig.

 

Gehörten Sie zu den Fondsmanagern, die Druck auf die Firmen ausgeübt haben - dass sie Leute entlassen oder niedrige Löhne zahlen?

SL: Ich war Teil dieser Maschinerie. Für die DWS habe ich auf Hauptversammlungen gesprochen und die Schließung unrentabler Betriebsteile gefordert. Ich war eines von den Raubtieren. Erst nach dem Ausstieg habe ich mich gefragt: Wo kommen die Renditen eigentlich her, die du an der Börse verdienst?

 

Sie beschreiben eine Welt der extremen Konkurrenz. Wie kommen Frauen damit zurecht?

SL: Es ist eine sehr männliche Welt. Die DWS hatte 25 Prozent Frauen - und war damit eher führend. Einen Aspekt habe ich sehr gemocht: Ich hatte das Gefühl, Männer sind nicht so nachtragend. Aber ich glaube, dass dieser immense Wettbewerbsdruck einen als Mensch verändert. Ich war auch zu Hause angespannt. Auch privat habe ich Gespräche geführt nach dem Motto: Was sind die wesentlichen Punkte? Und dann entschieden. Fertig aus.

 

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Wird in der Welt der Fonds geweint?

SL: Ich habe einmal geweint, ja. Aber bei anderen habe ich das nie gesehen. Die Leute werden einfach stiller, wenn sie keine gute Performance haben.

 

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Zwischen 2001 und 2003 sind die Börsenkurse stark eingebrochen. Wie sind Sie damit als neu angestellte Fondsmanagerin zurecht gekommen?

SL: Ich habe gar nicht gut performt. Ich bin mit Magenschmerzen ins Büro. Im Horrorjahr 2003 habe ich ungefähr 5 Prozent hinter meinem Vergleichsindex gelegen. Damit gehörte ich nicht zu den besten 25 Prozent - sondern zu den schlechtesten 25. Das war eine Katastrophe.

 

Was haben Ihre Chefs gesagt?

SL: Ich habe freundlich Druck bekommen. Mein direkter Vorgesetzter hat sich mit mir hingesetzt und ist das Portfolio durchgegangen. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt. Ohne diese Niederlage hätte ich nie mein eigenes Computerprogramm geschrieben und meine Checklisten aufgestellt. Ich ging danach einen anderen Weg als meine Kollegen.

 

Wie reagierten die anderen?

SL: Je besser meine Performance wurde, desto besser wurde mein Standing. Allerdings fanden sie, dass ich nicht genug über meine Aktien wüsste. Ich habe mich nicht für die Produkte der Firmen interessiert, weil ich nach rein quantitativen Kriterien investiert habe.

 

Ihre Kollegen sind nicht auf die quantitative Methode umgestiegen?

SL: Nein. Die DWS gehört zu den Fundamentalinvestoren. Das sind Fondsmanager, die sich hinsetzen und überlegen, wie die Gewinne in den nächsten Jahren aussehen könnten. Sie versuchen aus der Story, die ihnen das Unternehmen erzählt hat, eine Gewinnschätzung abzugeben.

 

Klingt doch plausibel.

SL: Nein. Der Mensch neigt dazu, sein eigenes Wissen zu überschätzen und die Realität völlig zu unterschätzen. Deswegen arbeite ich lieber mit Daten aus der Vergangenheit, statt Prognosen für die Zukunft abzugeben.

 

Aber die Jagd nach Neuigkeiten ist doch typisch für die Börse.

SL: Bei einer Story fühlt man sich natürlich wohl, weil man glaubt zu verstehen, was ein Unternehmen treibt. Aber wenn die Zahlen das nicht widerspiegeln, ist was faul. Für mich zählten Zahlen mehr als Geschichten.

 

Und nach dem Crash lernten Sie, sich zurückzulehnen.

SL: Das ist meine Empfehlung. Es ist auch gesundheitlich nicht zu empfehlen, zu oft auf die Performance zu gucken, weil man da nur Bauchschmerzen kriegt.

 

Sprechen Sie da aus Erfahrung?

SL: Ja. Man hat herausgefunden, dass sich das Spekulieren in denselben Hirnregionen abspielt, wo lebensbedrohliche Gefahren verarbeitet werden. An der Börse unterwegs zu sein ist für das Gehirn echter Stress und deswegen sollte man nicht zu oft auf das eigene Depot gucken.

 

Aktienverluste fühlen sich also an, als ob eine Bestie angreift.

SL: Wie der Säbelzahntiger, genau. Dafür gibt es eine magische Zahl: Ein Börsenverlust tut exakt 2,5 Mal so weh, wie ich mich über einen Gewinn freuen kann.

 

Heißt für den Kleinanleger mit seinen 20.000 Euro, er schaut nur einmal am Tag seine zehn Unternehmen an?

SL: Na, alle zwei Wochen. Wenn eine Aktie die Kriterien nicht mehr erfüllt, dann verkaufe ich sie und suche nach neuen. Man bekommt alle nötigen Informationen umsonst im Internet.

 

Haben Sie als Fondsmanagerin auch nur selten umgeschichtet? Was war dann eigentlich zwischendurch zu tun?

SL: Mir ist das ein bisschen peinlich.

 

Während Ihre Kollegen im Büro hektisch rumgehandelt haben …

SL:… war ich Kaffee trinken, ja. Das hat meine Sinnkrise noch befördert, weil man sich fragt, was machst du eigentlich mit deiner Zeit? Ich habe morgens meine Modelle upgedatet - und nach zwei Stunden hätte ich nach Hause gehen können.

 

Also waren Sie sechs Stunden damit beschäftigt, so zu tun, als wären Sie beschäftigt? 

SL: Musste ich ja. Ich hätte es meinen Kollegen nicht zumuten können, direkt nach Hause zu gehen.

 

Was haben Sie also gemacht?

SL: Wir hatten ein Fitness-Studio in der DWS und dann bin ich halt zum Sport gegangen.

 

Hört sich doch traumhaft an.

SL: Ich hatte eine Traumposition. Ich habe sehr gut verdient, war wichtig und habe nur zwei Stunden am Tag gearbeitet. Aber das war genau das Dilemma: in einer solchen Traumposition zu merken, dass man nicht glücklich ist.

 

Am 19. Februar 2008 bekamen Sie den Preis für den besten Deutschen Aktienfonds.

SL: Eigentlich war es der Tag, auf den ich immer hingearbeitet hatte.

 

Sie waren die Beste!

SL: Aber mir wurde klar: Du hast hier nichts mehr verloren. Ich habe nur ein stilles Wasser getrunken, aus dem Fenster geguckt und gedacht: Mann, dir fehlt völlig die Begeisterung. Am nächsten Tag bin ich zu meinem Vorgesetzten gegangen und habe gekündigt. Er hat sogar verstanden, dass mich Sinnfragen quälen und dass ich mich woanders ausprobieren wollte. Ich bin dann nach Berlin gezogen und habe im Osten an einer Gesamtschule Mathematik unterrichtet. Als Vertretungslehrerin.

 

Die Berliner Teenager sind durchaus gefürchtet.

SL: Klar, die Kids rennen im Unterricht herum, quatschen die ganze Zeit und hören nicht zu. Man muss einen persönlichen Draht zu ihnen entwickeln, damit die freiwillig aufhören zu stören. Mathematik baut ja aufeinander auf und viele hatten irgendwo den Anschluss verloren. Wo das genau war, können Sie nur in Einzelgesprächen herausfinden.

 

Warum haben Sie aufgehört?

SL: Es war auch traurig. Ich war immer nur Ersatzlehrerin, da können Sie keine richtige Bindung zu den Kindern aufbauen.

 

Jetzt arbeiten Sie beim "Carbon Disclosure Project". Ist das für Sie besser?

SL: Wir bauen die weltweit größte Datenbank über Treibhausgas-Emissionen von Firmen auf, um sie dem Kapitalmarkt zur Verfügung zu stellen. Die Investoren interessieren sich dafür, ob Firmen verstanden haben, dass der Klimawandel ein relevantes Managementthema ist.

 

Also sind Sie doch an die Börse zurückgekehrt.

SL: Ich bin wieder nah am Kapitalmarkt, ja, und kann mein Wissen einbringen. Aber diesmal nützt es der Umwelt. Und ich lebe anders. Ich habe kein Auto mehr, bin Vegetarierin geworden.

 

Warum haben Sie dann dieses Buch geschrieben, das die Menschen in eine Welt führt, die Sie gequält hat?

SL: Ich wollte den Anlegern ein Abschiedsgeschenk machen. Ich fand es schade, dass mein Wissen verloren geht.

 

Wollen Sie ein Ratgeberguru werden?

SL: Nein. Das Buch ist ein Abschluss, kein Aufbruch.

 

In der Widmung heißt es: "Für meine Eltern, meine Schwester, meine Nichte und Tana". Ist das der wirkliche Reichtum?

SL: Ja.

 

 

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